Ein Auszug aus der Festschrift zum 75 jährigen Bestehen der Kreuzgemeinde Eickhorst  

Du stellst meinen Fuß auf weiten Raum“, Psalm 31, 9

Am Fuße des Wiehengebirges fanden sich 1925 im Dorf Unterlübbe und Umgebung Menschen, die nicht nur den weiten Horizont der norddeutschen Tiefebene kannten, sondern einen missionarischen Weitblick für neutestamentliche Gemeinde hatten.

 

 

Wie der Psalmbeter des 31. Psalms verheißt: „Du stellst meinen Fuß auf weiten Raum“, so erlebte eine kleine Schar gläubiger Menschen wie Gott durch sie neutestamentliche Gemeinde am Fuße des Wiehengebirges bauen wollte. Ihre geographische Karte dazu war die Bibel, insbesondere die Apostelgeschichte.

Aus dieser hatten sie erkannt, dass Gemeinde Jesu von bewussten Gläubigen gebaut wird, die nach neutestamentlicher Erkenntnis die Glaubenstaufe empfangen haben. Apostelgeschichte 2, 41 wurde ein Leitwort für sie: „Die sein Wort annahmen, ließen sich taufen und wurden der Gemeinde hinzugetan“.

In der Festschrift: „50 Jahre Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Eickhorst“ wird ausführlich über die Gemeindeentstehung und
-entwicklung geschrieben.

Fritz Möhlmann war der erste, der für sich erkannt hatte, dass er die Glaubenstaufe empfangen müsse. Mit anderen Glaubensgeschwistern ging er nach Bad Oeynhausen, um dort eine Baptistengemeinde zu besuchen, die auch erst seit einigen Jahren bestand und am 12. September 1926 ließ er sich taufen. Schon im folgenden Jahr folgten weitere Personen, unter ihnen am 22. Mai 1927 der spätere erste Gemeindeleiter Wilhelm Ellerhoff.

Weitere Personen kamen bald hinzu, unter ihnen Fritz Oestreich, Fritz Woker (der nach Löhne umzog und dort mit Hausbibelstunden begann, der Beginn der späteren Gemeinde Löhne).

Die letzte Noch-Zeitzeugin unter uns, Anna Lüders, geborene Möhlmann, wurde am 29. Dezember 1929 in Bad Oeynhausen getauft.

Missionarische Veranstaltungen und besondere Themenreihen zur Taufe weckten das Interesse, aber auch den Widerspruch der Menschen in den Dörfern am Wiehen. Dennoch evangelisierten die Geschwister unerschrocken und mit guten Ideen weiter. Sogar „Open Air-Veranstaltungen“ fanden seit 1928 an Himmelfahrtstagen im Wiehengebirge auf „Krögers Rott“ statt, was sich großer Beliebtheit erfreute.

So breitete sich das Wort Gottes aus“ wie in Apostelgeschichte 6, 7 verheißen.

Im Februar 1928 begann im Hause Ellerhoff in Eickhorst die erste Sonntagsschularbeit und am 29. April folgten Bibelstunden und Gottesdienste im Hause Möhlmann in Unterlübbe.

Im selben Jahr begann im August eine kleine Chorarbeit.

1930 wurde auf dem Möhlmannschen Grundstück die erste Kapelle gebaut, die am 2. November mit 140 Gottesdienstbesuchern durch Prediger Haberkorn, Herford, eingeweiht wurde. Es war übrigens der gleiche Bauunternehmer Diekmann, der die Oberlübber Kirche 1912/13 gebaut hatte. Gott hat damals schon ökumenischer gedacht, mehr als zu jener Zeit sein Bodenpersonal.

Am 1. März 1931 wurden acht gläubige Geschwister auf das Bekenntnis ihres Glaubens in der neuen Kapelle von Prediger Köster getauft.

Zu ihnen gehörten u.a. die Eltern Möhlmanns.

Gott hatte der Gemeinde nicht nur weiten Raum, sondern auch Gelingen zu ihrem missionarischen Gemeindeaufbau gegeben.

Die weitere Entwicklung - Aus der Enge in die Weite

Zur 25-Jahrfeier berichtet Wilhelm Ellerhoff:

„Viele kamen zur Gemeinde. Bis zu unserer Jubiläumsfeier 1953 hatten wir ungefähr 70 Geschwister durch die Taufe in die Gemeinde aufgenommen.“

„In der Weiterentwicklung der Gemeinde entsprach die kleine Kapelle in Unterlübbe längst nicht mehr den Erfordernissen. Den verschiedenen Arbeitsgrupppen fehlten für ihre Sonderaufgaben geeignete Räume“, so berichtet die „50-Jahr-Festschrift“. - „Auf der Suche nach einem geeigneten Baugrundstück bot die Kommunalgemeinde Eickhorst ihre Schule mit einem 5.000 qm großen Grundstück für 90.000 DM an.“ Mit Unterstützung und Zustimmung der Muttergemeinde Bad Oeynhausen konnte am 14. Juni 1964 der Kaufvertrag abgeschlossen werden. Schon drei Jahre später, am 26. Februar 1967, fand in Unterlübbe der letzte und am 5. März 1967 der erste Gottesdienst in Eickhorst statt.

Seit den 50er Jahren gab es eine Verbindung zu zwei weiteren Gemeinden, die nach dem 2. Weltkrieg durch Flüchtlinge in Espelkamp und Lübbecke entstanden waren.

Diese drei Zweiggemeinden Bad Oeynhausens bildeten das sogenannte Nordgebiet.

Erstmals konnte von 1970 bis 1976 ein eigenes Pastorenehepaar, Herbert und Ellen Rohwedder mit Kindern, für dieses Gemeindegebiet berufen werden.

In dieser Zeit wurde mit missionarischem Weitblick eine Teestubenarbeit betrieben, woraus das Lebenszentrum in Oberlübbe entstand, ein christlich-soziales Werk als Auffangbecken gescheiterter Jugendlicher.

1978 feierte die Gemeinde ihr 50-jähriges Jubiläum.

Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnung“, so hatte es Gott über den Propheten Jesaja seinem Volk ausrichten lassen (Jesaja 54, 2). Diese Erfahrungen hatte nun auch die Gemeinde nach 50 Jahren ihres Bestehens gemacht.

1978 wurde Pastor Lothar Krause mit Ehefrau Dr. Gisela und drei Kindern berufen, der bis 1986 auf dem Gemeindegebiet tätig war.

1982 verselbständigten sich die drei Gemeinden des Nordgebietes zu einer Bundesgemeinde im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Das Eickhorster Gemeindegelände bot sich immer für Gemeindeausflüge der umliegenden Gemeinden an, doch reichte oftmals der Platz nicht und so entschloss man sich 1984 einen Erweiterungsbau vorzunehmen.

Ein schöner großer Gottesdienstraum für ca. 200 Personen mit einem Taufbecken wurde gebaut. Hinzu kamen im neuen großen Dachgeschoss Schlafräume und weitere Nebenräume. Außerdem wurden die Sanitäranlagen und die Küche erweitert. Gott gebrauchte auch hier wieder Menschen mit Weitblick und viel Opferbereitschaft. Zu ihnen gehörten Menschen wie die Familien Ehlenbröker, Ellerhoff, Haseloh, Helming, Klingbeil, Rüter, Weihe, um nur einige der engagierten Personen zu nennen. Die Mitgliederzahl betrug damals ca. 60 Personen.

Bei all diesen Unternehmungen, die ja auch finanziell bestritten werden mussten, der Erweiterungsbau lag damals bei ca. 500 000 DM, wurde nie über Geld gesprochen. Man vertraute einfach den biblischen Verheißungen Gottes, der die Füße seines Volkes auf weiten Raum stellt.

Von 1989 –1996 war das Pastorenehepaar Manfred und Lore Hüncke im Gemeindegebiet tätig. In dieser Zeit öffneten sich neue Türen, als Ende der achtziger Jahre Umsiedler hinzukamen. Sie fühlten sich in Eickhorst wohl, fanden Annahme und Aufnahme in die Gemeinde und so wuchs die Gemeinde langsam aber stetig.

In der Vakanzzeit 1997 bis 1998 berief die Gemeinde Detlev Brandt (Theologe und Student der Sozialpädagogik) für Teildienste in die Gemeinde. In dieser Zeit entstand die Jugendbegegnungsstätte Domino.

Im Juli 1998 kehrte das Pastorenehepaar Lothar und Dr. Gisela Krause nach fast zwölfjähriger Tätigkeit in Köln in ihren alten Wirkungskreis zurück. Die drei Teilgemeinden verselbständigten sich zu je einer selbständigen Bundesgemeinde im Bund der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Deutschland auf dem Bundesrat 1999.

Missionarischer Auftrag nach außen 

Der Horizont der Gemeinde ging weit über die norddeutsche Tiefebene hinaus in die Weltmission, von Indonesien bis nach Südamerika und Afrika sowie in den damaligen großen Ostblock.

Das erste Missionsehepaar, Willi und Dorothea Haseloh mit Familie, wurde1966 nach Indonesien ausgesandt. Seit ihrem Dienst dort findet alljährlich im Herbst die Missionskonferenz „WEC“ in Eickhorst statt. Da berichten Missionare aus Indonesien, Japan, Gambia und anderen Orten der Welt von ihrer Arbeit.

Seit einigen Jahren wird durch einen Freundeskreis in der Gemeinde auch „Licht im Osten“ unterstützt, eine Missionsarbeit, die vornehmlich in den ehemaligen Ostblockländern durchgeführt wird.

Vor gut eineinhalb Jahren kam die Familie Jakob und Natalja Tiessen zur Gemeinde Eickhorst mit der Bitte von hier aus über das „Missionswerk Logos“ als Missionare in Russland arbeiten zu können.

Die Gemeinde nahm diese Anfrage als Auftrag Gottes an.

Im neuen Jahrtausend hat die Gemeinde, ebenso wie ihre Vorgänger des Glaubens, neue Horizonte und Ziele mit großen Veränderungen in ihrem Blickfeld. Im Vertrauen auf Gott Horizonte haben und ihnen entgegengehen, das ist ein Charakteristikum dieser Gemeinde.

Als 2001, nach 36 Jahren, Walfried Ellerhoff sein Amt als zweiter Gemeindeleiter der Gemeinde niederlegte, hatte er alles in gute Nachfolgehände gelegt. Eine verjüngte Leitungsmannschaft ist nun dabei, neue Horizonte aufzutun. Zum derzeitigen Leitungskreis gehören Verena Massilge (geschäftsführende Älteste), Angelika Straubhaar, Ingo Böker, Ernst Klingbeil, Lothar Krause (Pastor), Andreas Penner und Bernd Weihe.

Missionarische Türen vor Ort öffnen sich durch neue Formen des Bekenntnisses zu dem einen Herrn der Gemeinde.

Glaubens- und Kulturtage in Eickhorst haben Einkehr gehalten. Abende mit dem klassischen Musikensemble Werner Schmidt aus Bad Salzuflen, dem „Musik-Duo Diretto“ aus Detmold, (Kozert für Cymbal und Klavier), ein Konzert mit Harfe und Querflöte, oder christlich-poppige Musikabende für junge Leute. Themenabende mit dem Fernsehmoderator Andreas Malessa, wie zuletzt am Vorabend zum 1. Advent 2002: „Die Nacht ist vorgedrungen“ zum Gedenken an den 60-ten Todestag von Jochen Klepper. Das sind zeitgemäße Eingangstüren, das Evangelium weiterzugeben. Ein besonderer Höhepunkt war die Chagallbibelausstellung „Bilder zur Bibel“ im Februar 2002, die weit über das Mindener Land hinaus Eickhorst bekannt machte. Menschen kamen und staunten: „So etwas in einer kleinen Dorfgemeinde!“ In einer Woche kamen ca. 1000 Besucher. Die Grundschule Oberlübbe unter Leitung der Rektorin, Frau Schäkel, machte für die Schüler ein Chagall-Malprojekt daraus.

Wer von der B 65 aus Minden in Richtung Lübbecke fährt, kann vor dem Eingang des Ortes das massive weiße Kreuz im Feld sehen Es ist architektonisch tragendes Bauelement des Gemeindezentrums. Ja! Das ist die Kreuzgemeinde, wie sie sich nennt. Das Kreuz von Golgatha ist und bleibt das Zeichen und Zentrum der Gemeinde Jesu, worauf das Heil und der Frieden für alle Menschen liegt.

Das Gruppenleben, besonders die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit, nimmt einen großen Raum in der Gemeinde ein. Die Eigenberichte bezeugen die Vielfalt und Lebendigkeit der Gemeinde.

Zwei Gruppen haben sich seit den Anfängen der Gemeindebewegung am Fuße des Wiehengebirges bis heute ohne Unterbrechung gehalten und feiern somit auch ihr 75-jähriges Bestehen, die Sonntagsschule und der Chor.

Was wären unsere Gemeinden ohne Sonntagsschule.

Wie wären unsere Gottesdienste arm, wenn es unsere Chöre nicht mehr gäbe. Walfried Ellerhoff, der Chorleiter des Chores berichtet: „Im Jahr 1928 kamen vier Schwestern und vier Brüder zu dem Entschluss, einen Gemeindechor zu gründen. Das erste Lied, das gesungen wurde, war gleichzeitig Leitspruch: Die Sach ist dein Herr Jesu Christ, die Sach an der wir stehn, und weil es deine Sache ist, kann sie nicht untergehen. Die acht Sängerinnen und Sänger sahen die Aufgabe darin, die gesprochene Botschaft im mehrstimmigen Gesang weiterzugeben. Bis auf wenige Ausnahmen im Krieg hat der Chor bis heute diesen Dienst getan. Zurzeit besteht der Chor aus ca. zwanzig Sängerinnen und Sängern. Das Singen im Gottesdienst als ein Verkündigungselement ist das Hauptanliegen. Sein Dienst erstreckt sich darüber hinaus auf Feiern, Gebetswochen, Krankenbesuche etc. Einmal im Jahr feiert der Chor ein fröhliches Fest, wie überhaupt die Chorgemeinschaft eine fröhliche Dienstgemeinschaft ist. Montags von 20.00 Uhr bis 21.30 finden die Übungsstunden statt. Wir freuen uns über weitere Verstärkung, besonders auch von jungen Stimmen.“

Die Gemeinde lebt nicht für sich allein.

Zum einen gehört die Gemeinde zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der aus ca. 1000 Gemeinden mit rund 87.000 Mitgliedern besteht. Zum anderen gibt es schon seit der Amtszeit von Pfarrer Ulrich Ellermann, Kirchengemeinde Oberlübbe, und der ersten Schaffensperiode Pastor Lothar Krauses in den 80er Jahren ein starkes gemeinsames ökumenisches Zusammenarbeiten.

Die Allianzgebetswoche, die weltweit am Anfang jedes Jahres durchgeführt wird, steht für ein Beispiel. Da schließen sich als weitere Gemeinde Rothenuffeln, sowie Einzelne aus dem Hiller Gemeindegebiet an. Außerdem wird jährlich zwischen der Oberlübber Kirchengemeinde und dieser Gemeinde eine gemeinsame Bibelwoche durchgeführt. Beides findet heute unter dem Pfarrer Thomas Lunkenheimer, Nachfolger von Pfarrer i. R. Ulrich Ellermann, und Pastor Lothar Krause weiter statt. Darüber hinaus werden zu bestimmten Themen und Gemeindeereignissen Einladungen ausgesprochen und gegenseitig Referenten ausgetauscht.

Ziele für die Zukunft

Zum Gemeindeleben gehören heute neben den verschiedenen Zielgruppen Hausgesprächskreise, die Bibel- und Gebetsabende veranstalten, um so gerade auf der persönlichen Beziehungsebene Glauben praktisch erfahrbar werden zu lassen. Auch der Bibelclub, früher Religions- oder Katechumenenunterricht genannt, für 12- bis 14-jährige hat sich zur Aufgabe gemacht: „Mit Kopf, Herz und Hand“ Glauben und Gemeinde Jesu zu erarbeiten.

Im Jubiläumsjahr geht die Gemeinde langsam aber stetig wachsend auf 90 Mitglieder zu. Das kann nur Motivation sein, weiter mit Begeisterung von der Liebe Gottes und dem Frieden durch Jesus Christus unter der Führung des Heiligen Geistes zu erzählen.

Sicher haben sich Methoden und auch gottesdienstliche Kultur und Liturgie geändert, jedoch nicht die Inhalte und der Auftrag, das Evangelium von Jesus Christus auf vielerlei Weise zu verkündigen. Genau das ist die Aufgabe jeder Gemeinde Jesu in ihrer Zeit für die Welt, mit Blick auf die Zukunft, Visionen und neue Horizonte zu entdecken, die die elementaren Grundlagen des befreienden Evangeliums bezeugen. Dann wird die gleiche Erfahrung gemacht werden, wie sie ihre Gründungsväter und –mütter machten:

Du stellst meinen Fuß auf weiten Raum“, oder mit dem Prophetenwort unterstrichen: „Mache den Raum deines Zeltes weit und breite aus die Decken deiner Wohnung.“

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Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



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16.01.2019